Dienstag, 4. März 2025

Ein Gruppenbild

Ein Gruppenbild – zwei Herren ohne Krawatte. Eine Dame reißt sich das Dirndl von der empfindlichen Haut. Cremes haben so viele Zusatzstoffe. In der Nacht nur Schatten. Dann bei Sonnenlicht die unbedingte Hoffnung, dass diese wegfallen. Schattenlos beim Umami-Geschäft mit nuklearen Schutzschirmen. Franzos – es gibt was auf die Hos. Es ist wieder schick ohne Anzug kein Arschloch zu sein. Gut so.

 

Die Herren auf dem Gruppenbild verkrampft bei der Ordnung. Zwei mit eurasischem Verstand. Die anderen gebunden wie ein Karnevalswitz. Karneval: Fleisch statt Humor. Dankbar für Posten, Pöstchen und Postillen. Leben für Cremes, Korrekturen und Pillen. Das Gesicht im italienischen Naturreis zermatscht. Die Präsidentin kniet auf dem Nadelkissen des einst verblichenen dementen Vaters, dem Herrscher von Lower Saxony im vollen Ernst. Dieser alte Zopf und so.

 

Ein Gruppenbild. Ein beatmetes Teuropa. Eine Insel auf der Fleischsuche. Völker die gerne „Indianer“ sagen um sich so toll zu fühlen. Bauern opfern ihr Hobby. Ein Gruppenbild auf der Suche zu einer Gruppe. Teambilding. Team-building! Im Gebäude - ein Gehäuse - ein Amt und eine Behörde. Alle Herren ohne Krawatte und ohne Hemd. Ihre Worte klingen verkatert. 

 

Wie soll man ein Volk regieren ohne Bildung? Doch wer ist der mit ohne?

 

4. März 2025

Dienstag, 2. Juli 2024

K(eine) Materialschlacht

 

In früheren Sportreportagen hieß es immer: Mensch und Material. Man wusste also, dass es sich hier um zwei unterschiedliche Aspekte handelt. Der Mensch nutzt das Material um erfolgreich zu sein. Beim Sport und bei der Arbeit. Die Betriebswirtschaftslehre, die im Verdacht steht, besonders nüchtern und nicht sonderlich human zu sein, spricht von Human Resources und meint damit das Immaterielle, was einem Arbeitgeber zur Verfügung steht. Gemeint ist vereinfacht gesagt: der Mensch. Und dabei ist es egal, ob er für viele Millionen Euro gegen den Ball tritt, oder für wenige Tausend einen Menschen aus dem Bett holt und pflegt.

 

Material ist das Stoffliche und Wertstoffliche, dieses was man zwischen den Fingern reibt, um seine Qualität zu erkunden. Gut, man hat den Begriff Mensch und Material schon mal gerne im Sinne böser Dinge vereinigt und damit verwässert. Kriegsrhetorik, die ja auch aktuell tödlicher Weise von der Fußballrhetorik übernommen wird. Adolf Hitler schrieb in „Mein Kampf“ vom „Menschenmaterial“ und im dunkelsten Kapitel nannte man die KZ-Häftlinge so, sogar mit dem Zusatz unbrauchbar.

 

Davon abgesehen ist es keine Frage, dass die geschäftlichen Zusammenhänge mit der runden Wertstofflichkeit (früher Leder) alles andere, als ein spaßiges Schwimmbecken für Nichtschwimmer mit Schwimmflügelchen sind. Da wird gefeilscht, ausgebotet und betrogen. Da wird gelogen und Menschen und sklavische Zusammenhänge stehen sich durchaus nah. Aber es ist keine Materialschlacht, sondern das harte Geschäft um Human Resources, also das Immaterielle. 

 

Und so lange wir Immaterielles, also Menschen das Material bewegen, bleibt das auch so. Natürlich verführt diese Debatte wie immer zu impulshaften Reaktionen. Leute, die es zum kotzen finden, dass „Spielermaterial“ der falsche Begriff ist. Leute, die es dann auch nicht zugeben, wenn sie entlarvt werden. Warum auch? Es ist ein mittlerweile verbreitetes Hobby sich von einer woken Klasse gegängelt zu fühlen, die allerdings in weiten Teilen weder Woke, noch belehrend sein will, sondern einfach nur manchmal weiß, welche Bedeutung nun einmal bestimmte Worte haben.

 

Woke Sprache mit ihrem knapp einhundert Jahre alten afroamerikanischen Ursprung – klar da sind natürlich traditionell viele dagegen, denn das wäre ja Politik. Wenn man aber Politik und Sport nie im Zusammenhang sieht, dann überlässt man sie übermächtigen Verbänden, für die es eine prima Gelegenheit finden, Spieler zu Material zu machen. Das erleichtert deren Arbeit ungemein.

 

2. Juli 2024 

 

 

Samstag, 22. Juni 2024

Die köstliche Erregung

 

Die köstliche Erregung wie rosa Schaumwein auf einer leichten Bluse im lauen Sommerwind. Wie, wenn ein Gender-getriggerter Handwerker auf die Vergangenheit seiner ihm nicht bekannten Vorfahren verweist. Wie, wenn ein falschparkender SUV – Pilot auf rote aggressive Radwege in seiner gefühlten Wagenkabinennähe mahnend deutet.

 

Das Trikot – oh das Trikot – das schön hässliche Trikot. Es hat Farbe. Der traditionell homophobe Dieter erklärt sich damit, dass er wegen seines Vornamens traditionell gehänselt wurde, weil seine MitschülerInnen noch Hans hießen, bzw. John, er hatte einen Engländer als Mitschüler. Ein toller Bursche dieser John, welchen alle Mädchen verehrten, ob dem ungelenk britischen Quatsch, den er so geschickt von sich gab und den kein Mensch eigentlich verstand. Dann noch Vlad der Pfähler VII, auch ein Mitschüler Dieters. Provokant schon damals sein Verhalten, nämlich Veganer. Nie wieder wurden so viele Blutorangen in einem SchülerInnen – Tornister gesichtet.

 

Und jetzt dieses Trikot. Ein Trikot dieser Mannschaft ist (so las ich) schwarzweiß. Das ist ja auch logisch. Die Fernsehübertragungen in der Mitte des 20. Jahrhunderts waren nicht in Farbe. Das hatte übrigens rein ästhetische Gründe. Es gab keine Rosetten auf dem Arm, man spielte ungeimpft. Und die StürmerInnen waren auch nicht am Hals tätowiert. Es gab auch keine Patchworkfamilien und somit auch keine Helikoptereltern mit Drohnenführerschein. 

 

Und jetzt dieses Trikot. Schweinchen Dick hat man gerne geguckt, wenn einen die Mutter aus der „Hölle Spielplatz“ wieder rein rief. Es gab Erdbeermilch. Pinke Erdbeermilch – lecker. Aber das Trikot der Deutschen war schwarz rot gold (angeblich), eigentlich war es ja … äh wie war es eigentlich? Jedenfalls war es nicht rosa, weil verboten. Dieter fand Verbote immer schon gut, weil sonst alles aus den Angeln lief und schließlich war man in Deutschland und nicht in Angelsachsen. Nun war es damals ja auch nicht üblich Trikots überall zu tragen, mit Namen drauf. Verbote machten also für Dieter immer Sinn, wenn sie nicht von den Grünen oder den Engländern kamen.

 

Man hatte auch keine Girlanden in Landesfarben an der Supermarktkasse um den schlanken weißen Schamanenhals hängen. Es war irgendwie Schwarzweiß, selbst das Kotelett mit Kartoffeln und auch dies natürlich nur aus ästhetischen Gründen. Man aß nur aus dem eigenen Teller und durfte die Hände in modernen Haushalten nur zur Onanie benutzen, wenn man sich heimlich von irgendwelchen Exoten (die man natürlich niemals ansprach) köstlich erregt fühlte. Hände zur Nahrungsaufnahme benutzten nur Menschen aus anderen Gegenden, die bewusst auf Hygienevorschriften verzichteten und kaum Zugriff auf öffentliche Toiletten hatten. 

 

In Dieters Welt war alles ordentlich. Reinheitsgebot, die Nachbarin, die sich immer mal den Salzstreuer auslieh (Zwinker) und das schwarzweiß schwarz rot goldene Trikot von deutschen Fußballspielern, die davon lebten, dass sie Gebrauchtwagen verkauften und alles ordentlich versteuerten.

 

Neulich las Dieter, dass das Nationaltrikot der Brasilianer bis zur Marcanaco 1950 weiß war und man nach der Schmach gegen Uruguay auf gelb wechselte. Dieter konnte Nächte lang nicht schlafen. Dann setzte er sich an seinen Laptop, ließ noch ein paar sexistische Posts auf diversen sozialen NetzwerkerInnen los und bestellte sich dieses ekelhafte Trikot. Er wollte ja nichtsdestotrotz ein moderner Ewiggestriger sein. Doch Mist: ausverkauft!

 

22. Juni 2024

Sonntag, 31. März 2024

Handlungsreisender über die Ostertage

Handlungsreisender über die Ostertage

 

Mein Name ist im Bereich des Schall und Rauch angesiedelt und wird nur bei behördlichen Kontrollen genannt. Ich bin Handlungsreisender in Sachen Alles und Grenzwertigkeiten. Eigentlich bin ich Produktvertreter, aber ich liebe es mich in einen literarischen Kontext zu installieren für den Wohlfühlfaktor meiner gebildeten und wohlhabenden KundInnen. Zu dieser Zeit gehen besonders Eier, Rührstäbe und praktische Frisur-Hilfen fürs alltägliche Hoppeln. Trage auch sowas hinter meinem jeweils linken und rechten Löffel. Mein österreichischer Kollege Max Lambrecht findet mich so jetset-mäßiger. Aber Kamerad Schnürpfoterl ist eh nur für Smalltalk zu haben.

 

In diesen norddeutschen Hotels schmeckt der Kaffee immer nach Meerwasser. Salzig wie die Gurken aus Rom oder Moskau. Die letzte Nacht vor der großen Auslieferung, noch das Gefühl der großen Zehe einer Gespielin in meinem Mund. Lackierte, gepflegte Füße, biologisch abbaubarer Lack – alles in Ordnung. Sie trägt ein Nasenpiercing mit dem Yin-Yang Symbol, was ich sehr sympathisch finde und auf dem Rücken ein Tattoo mit den Gesichtern von Amy Winehouse und Che. Junge Leute halt. Im Schulterbereich besitzt sie sehr weiches Fell, dass trifft man heutzutage ausgesprochen selten. Meistens haben die Damen ja da ein Muster rasiert, welches Stall und ZüchterIn verrät. Ich meine sie ist halb Französin und halb Rheinland-Pfalz.

 

Es ist soweit. Der große Tag: Ostersonntag. Dominca ressurrectionis. Einen kurzen Weg muss ich mit Bambusrucksack und Geschäftstrolley mit einem Land-Bus zurück legen. Furchtbar die Arbeit hier zwischen Nordsee und Baltic. Ich steige ein und muss noch mit Münzgeld bei einem stummen, drögen und grauen Fahrer meine Fahrkarte erwerben. Unwahrscheinlich rückschrittliche Gegend. Digital am Arsch. Das Hotel hat keine Matratzen mit zwei Härtestufen. Ein Skandal! Der Bus ist leer, nur so ziemlich in der Mitte auf unschönen Plastikschalen aus Fieber, sitzt eine rundlich rosige Bauersfrau mit einem frischen Gemüsekorb.

 

„Wenn de nu vörn hart bremsen deit,“, spricht sie in schnoddrigem Platt, „denn gifft dat Rührei!“. Was für eine blöde Kuh und ich zeige ihr in meiner Phantasie eine beleidigende Hasenpfote.

 

Frohe Ostern!

 

31. März 2024

Sonntag, 3. März 2024

Die Sache mit der Liebe

 

Medial werden wir stets über Form und Funktion des Gegenstandes Liebe unterrichtet. Ideale Paare mit Rosenkrieg-Power im Gepäck erzählen uns davon. Im Fernsehen z.B. und auf dessen ganzen Nebenerzeugnissen. Sie zeigen uns aber nicht die Liebe selbst, sondern Symbole, die wir verstehen sollen. Musik, Bilder, Schmuck. Glanz auf Haut und Erzählungen mit Blut und Schweiß. Im Garten ein Kinderkarussell – das Ideal. Auf der Gemeinschaftswiese eine Hüpfburg – die Norm für Menschen, die ab den 1990er Jahren geboren wurden. Wenigstens im Schlafzimmer ein Bockspringbett – die Basis. Keine Erklärung oder ein Beweis für Bock aufeinander, aber ein Symbol und für die meisten Menschen vor Nachwuchsplanung bei dieser komischen Möbelkette leistbar. Kredite, Rezepte, Naturheilverfahren machen es möglich.

 

Ganz unreligiös betrachtet ist für jeden Menschen eine Unterwelt angedacht. So wie in fast allen James Bond – Streifen oder bei den Fraggles: 

„Dance your cares away,

worry's for another day,

let the music play,

down at Fraggle Rock. …“

 

Unter jedem Menschen eine Klappe aus Stein, Stahl, Blech oder Papier. Je nach Bedeutung der Historie des jeweiligen Geschlechts. Überall findet man Gänge, Schächte, Schreibtische für Schaltzentralen. Dies ist so angedacht, aber nicht viele Milliarden Mal vorhanden. Und es ist ein gigantisches Problem, eine himmelschreiende Ungerechtigkeit. Leute ohne Rückzugsorte zerfallen an der Wirklichkeit. Sie Verzweifeln am sich Zerreiben. Sie sind in Gesellschaft eine Zumutung. Und das kann aber auch wiederum an der Form und Art und Weise der Gesellschaft liegen.

 

Leute, welche die menschliche Kommunikation nicht gelernt haben, kein miteinander kennen, treffen sich, verlieben sich nicht ineinander, aber verschlafen gemeinsam das Leben. Die oder der eine oder andere schaffen es und legen sich statt Liebe ein anderes Hobby an.

 

3. März 2024

Samstag, 23. Dezember 2023

Frohes Alles …!

Als mein Gegenüber, ein Herr in den …zigern seine Weihnachtsmütze lüftet, stellt sich mir zunächst die Frage: Was war zuerst: der Mensch oder das Ei!? Ein Meer an Stadtlichtern mit ähnlichen Formen, leuchtet vielfarbig durch das Fenster des kleinen Cafés. Trotz unverschämt un-origineller Weihnachtsmusik, die sich zwischen Stirn und Hinterkopf wie Sandpapier schmiergelt (Feliz Navidad), kann ich das Rauschen der Stadt durch die Glasscheibe hören. Ich höre sorgenvolles Murmeln und das Blut in den Adern der Menschen, wie es gegen die Kälte arbeitet und gegen die Dummheit.

 

Dummheit, etwas was der Mensch wie seine eigene Westentasche kennt. Sie wurde einem mit der Einschulung, samt großer Zucker- und Lebensweisheiten-Tüte offeriert. Ein Paar liegt sich bei Zimt, Kakao und Tee im letzten Winkel des kleinen Aufwärmladens in den Armen. Zwei warme Gesichter liegen aufeinander. Man riecht sich. Die beiden kuscheln gegen Intoleranz, Phobien und Krieg. Draußen vor der Tür wandern gewaltige Geschenkpakete gegen das schlechte Gewissen. Man wünscht sich frohe Festtage, geht dann weiter. So mancher dreht sich um und wirft noch einen bösen Blick seiner letzten Begegnung hinterher.

 

Der Herr an meinem Tisch hat einen Haarkranz. Auf seiner Glatze ist ein Schlitten tätowiert, der eine rote S-Bahn hinter sich herzieht. Auf dem Schlitten sitzt Klaus, der Gesandte. Als ich ein wenig dreist auf seine Tätowierung schaue und beginne, den Herrn anzustarren, sagt dieser zu mir: „Ja – ich bin´s!“ Der Entlarvte erschrickt kurz und ich entschuldige mich sofort, dass ich einen Blick für sowas habe. Klaus erzählt mir, als wir dann ins nicht philosophische Plaudern geraten, dass er das ganze Jahr über bei der „Deutschen Bahn“ als Eierkopf angestellt sei. Dies hätte sich als Lösung angeboten, wenn man so eine doofe Saisontätigkeit ausüben muss und dies quasi per familiärer Verpflichtung.

 

Wir kommen fröhlich ins quatschen, werden sehr laut und ich komme meiner natürlichen Gier nach, wenn ich mal die Möglichkeit habe, die Geheimnisse eines Promis zu erfahren, insbesondere wenn dieser zu dieser Zeit im Jahr, dass wichtigste Ei der christlichen Welt der Albernheiten und des maßlosen Konsums darstellt. Wir werden dabei wirklich ungezügelt laut, denn wir trinken einen Schuss mit … nach dem anderen. Alle hören uns in diesem Raum. Der Wirt ermahnt uns. Da wir beide jedoch recht scheue Gestalten im zivilen Leben sind, sagen wir artig: sorry Bro!

Das Mädchen aus der Kuschelecke des Paares, steht auf einmal auf und schreitet schwer entgeistert in unsere Richtung. Vor Klaus bleibt sie dann aufrecht und grade stehen. Sie hat alles gehört. Alles das, was der Eierkopf freiwillig ausgeplaudert hat. Viel zu viele Details aus seinem komischen Leben, welche er befreit einem ganzen Lokal mitteilte. Und man sieht dem Gesicht der jungen Frau an, dass sie keine Zweifel hat, als sie zu Klaus spricht: „Klaus, ich bin Deine Tochter!“

 

„Auch das noch!“, ruft Klaus verzweifelt aus und er betrinkt sich weiter und zügiger. Doch ich frage mich in diesem Moment: Wer ist schlimmer dran? Der Tunichgut, der sein Leben lang als verdeckter Arbeiter, seiner Familientradition nachkommen musste? Oder der junge Mensch, der auf einmal erfahren muss, dass der leibliche Vater der Weihnachtsmann ist?

 

Frohes Alles …!

 

23. Dezember 2023

 

Donnerstag, 18. Mai 2023

Pflanzen schlachten und Schweine pflanzen

Gehen wir den himmlischen Pfad zum Getränk und die Männlichen unter uns kritisieren ihre Männlichkeit. Die Keit auf der Suche des Sinnes dieses seltsamen Lebens zwischen Grunzen und Singen. In dieser Zeit scheint uns noch einmal warm die Sonne auf den Bauch und wir denken lachend und betrunken über unsere Sünden nach. Wir haben Pflanzen geschlachtet und Schweine gepflanzt. Ein sinnloses Gelage nach dem anderen beim Essen legen. Sich dabei naheliegenden Frauen schüchtern angenähert und versucht auf dicke Hose zu machen. Mein Sauerteig, mein Kräuterbeet, mein Gemischtwarenhandel. Meine VIP Zugangsdaten, mein Kreditlimit, meine Rezeptesammlung für Schmier- und andere Öle.

 

Die verspannte Schulter kommt von meinem besonders markigen Gang. Immer über den großen Onkel schlagen. Alle Vierteljahre gehen ein paar Schuhe drauf. Habe daher ein Schuh-Abo abgeschlossen, verlängerbar über eine Cloud, ähnlich wie bei einschlägigen Bildbearbeitungsprogrammen. Der Bollerwagen ist nicht aus Holz, sondern aus Karbon. In die Bodenplatte ist eine sich stets selbstfüllende vollautomatische Bierstation eingebaut. Außerdem hat er eine begehbare Toilette und elektrische Seitenspiegel. Per App bedienbar alles, wie auch meine Schuherneuerung. Die Schuhe fallen wie alte Haut von mir ab und sind innerhalb von Sekundenbruchteilen durch neues Schuhwerk ersetzt. Außerdem schnüren sie sich auch von selbst. Ein Traum, ein wahrer Traum, besonders für mich, deren Finger grade mal zum Löcher bohren in die eigenen Hosentaschen geeignet sind.

 

Wir sind die Väter, Großväter, die lieblich sabbernd, mit offenem Hals staunend diese neue Zeit zu begreifen versuchen. Wir lieben das Bier eiskalt und nicht so zimmerlau, wie die jungen Gourmets, die mit uns laufen und sich auf dem Bollerwagen übergeben. Sie kippen übereinander nach hinten um, denn auf einem Rücken kann man nicht liegen.

 

Erfrischenden Vatertag!

 

18. Mai 2023

 

Sonntag, 9. April 2023

Das Ei ist Oster

Die Form soll ja bekanntlich der Funktion folgen, bzw. soll sie die Erwartungen erfüllen. Geht man eine Pizza essen, so hat sie rund zu sein. Macht man sich eine Pizza, so denkt man an ein Quadrat. So ist wohl die Graubrotscheibe oval, der Scheibenkäse ein Viereck und ein Keks ist vor allem ein Kreis. Hält sich das Endprodukt nicht an unsere Vorstellung, so stiftet es Verwirrung. Dann spricht man nicht vom Keks oder Käse, sondern vom eckigen Keks und vom runden Scheibenkäse z.B. Damit nicht in allen Lebenslagen diese komplette Verwirrung mit uns seine Späße treibt, ist das Ei so wie es ist. Eiförmig nämlich, bzw. österlich, rundlich, eiig. 

 

Früher hatte sogar das Auto eine klare Form. Niedriger Motorraum mit Haube, hohe Kabine für die Leute, niedriger Kofferraum mit zweiter Haube. Heute sind Fahrzeuge nur noch komplett gleich aussehende Klumpen, von den Richtlinien des Windes vereinheitlicht. Weil die ursprüngliche Auto-Form aber schön ist, ist die heutige hässlich und auch das ist definiert, ohne dass man etwas dafürkann als Mensch, der alte Autos kennt. Deswegen können heute kleine Kinder kaum noch ein Auto malen, uns Kindern damals war die Form verinnerlicht.

 

Die ideale Form eines Fotoapparates ist vermutlich die der Kodak Nr. 1. Viereckiger länglicher Holzkasten und vorne ein Loch. Der Formgeber für die Box. So wie ich sozialisiert bin, ist die ideale Form einer Kamera die der Leica M. Eigentlich müsste man meinen, dass die geilste Form die M3 hat, weil sie die erste war, und somit alles vorgab. Designtechnisch hat man aber tatsächlich mit der M2 die Grundform schlichter und dadurch schöner gemacht. Ein äußerst seltener Vorgang in der Geschichte der Modellpflege. Deshalb u.a. bin ich so auf die M2 eingestiegen. Aber dieser Hersteller hat es dann auf die Spitze getrieben und die Verschönerung analoger M Geräte tatsächlich optimiert. Deswegen ist die noch heute neu erhältliche M-A die schönste Serien M. Sie hat wie schon die M4 nicht den überflüssigen Kragen und verzichtet auf das runde Batteriefach einer MP z.B.

 

Ein Freund von mir sagte einmal, die Form eines Fahrrads wäre nicht zu verbessern und somit sei das Fahrrad selbst grundsätzlich nicht zu verbessern. Auch etwas, was man gut zeichnen kann und jeder erkennt, was es sein soll. Zwei Kreise und irgendwas Graziles dazwischen. Bei der Kamera ist es anders. Geht man vom Idealbild M-A aus, so gibt es davon die Degenerierungen aller Endgeräte bis hin zur absoluten Unkenntlichkeit im Vergleich zum hier so von mir subjektiv verstandenen Ideal.

 

Heute ist ein Fernseher nur mehr ein längliches Viereck. Früher war es ein dicker Kasten, nachvorne gewölbtes milchiges Glas, vornehmlich rechts der Lautsprecher und eine Reihe von Dreh – und Druckknöpfen. Das war verinnerlicht, auch die Mattscheibenform mit seinen runden Ecken und der Klang, wenn man gegen das Glas klopfte. Auch einen Fernseher zu malen ist ganz leicht.

 

Die Firma Stur Cookware UG beansprucht für sich, die ideale Form einer Pfanne entwickelt zu haben – quasi wissenschaftlich analysiert und erprobt. Dennoch erkennen wir Pfannen, Töpfe, Löffel und Gabeln aller Art sofort, weil ihnen die Grundvorgabe Grenzen in der Abweichung und Veränderung gibt.

 

Da das alles für ein festliches Manifest zu Ostern allmählich zu weit führt, darf noch einmal darauf hingewiesen werden, dass das Ei eben auch zu Ostern nur die Form eines Eis hat. Ellipse, Oval und Pyriforme zur Spitze konisch übrigens. Rein philosophisch betrachtet könnte man als Betrachter von Ostern sagen, dass die Erde, wenn sie kein Ellipsoid der wie eine Kugel aussieht, sondern ein Ei wäre, vermutlich runder und funktionsfähiger sein dürfte. Wäre sie aber eine Scheibe, dann müsste man die Bratpfanne als Vorgabe nehmen, weil man dann einen hohen Rand bräuchte, damit nicht alles den Tellerrand ins Unerklärliche verlässt.

 

Es sei noch erwähnt, dass für mich der Fußball eigentlich ein Ball aus 12 schwarzen Fünfecken und 20 weißen Sechsecken ist. Formgebend ist das aber genau genommen kein Ball im eigentlichen Sinne, sondern ein Ikosaederstumpf und damit ein Polyeder – also ein Vielflächner. Heutige Bälle wie z.B. der Uniforia sind vollkommen anders, der sonst übliche aber bunte und synthetische Derbystar erinnert wieder an die Bälle von früher.

 

Aber eins bliebt eben: Das Ei ist Oster. Oster ist Ei.

 

9. April 2023

Samstag, 24. Dezember 2022

Holy Christmas Shit

Meine Matratze heißt „Himmlische Wolke – klassik mittel!“ Ich komme aus einer Zeit, wo man Pullover noch Pullover nannte und sie nicht besonders engmaschig betrachtete. Dank meiner neuen Matratze, kann ich wieder von früher träumen, ohne in Pyramiden zu stürzen, die damals auf Schultoiletten verteilt wurden - um bessere Laune zu bekommen.

 

Wir waren kreativ zu Weihnachten. In den kleinen Forscherheftchen für Nerds, die damals einfach noch „Sonderlinge“ hießen, gab es Bausätze für ein eigenes Herrenparfüm. Zudem besaß ich dank meines Vaters einen alten braunen Feldhandball aus Leder und mit Schweineblase. Der war nie ganz rund zu kriegen. Mit entsprechend selbst designten Duft und diesem Ball unter dem Arm, stapfte ich durch den nicht vorhandenen Schnee. Von den Balkonen winkten mir meine Vorstadt-Freundinnen zu - auf Partys mit schrecklicher Discomucke. Sie wollten, dass ich zu ihnen komme und knallbunte Getränke in Trockeneisnebel zu mir nehme. Ich verzichtete dankend darauf und sorgte bei der einen oder anderen von mir trotz allem verzückten Person für tiefe, feuchte Traurigkeit. 

 

Lieber spazierte ich durch die Baumschulen und beobachtete die letzten Idiotenfamilien, die sich Material zum Christfest aufluden. Vater und ich klauten einmal eine „Oh Tanne“ aus dem Klövensteen, einem Trim Trab - Wald mit wunderschönen Wildschweinen im Gehege. Mein Vater nutzte damals dafür einen beigen Opel Rekord, ein sehr verschlagenes Fahrzeug für filmische Sekundärliteratur dieser Zeit. Ein Auto welches gerne von Dieben genommen wurde, auch in der medialen Darstellung und mit einer Münze gestartet werden konnte. Folgerichtig wurde unser Wagen dann auch später gestohlen.

 

Manchmal hatte ich auch meinen Hund dabei – einen Hirtenpudel, der Unmengen von Dauerregen aufnehmen konnte und dann wie ein Badewannen–Karpfen roch. Wir spazierten an verrosteten Güllekanonen vorbei, trafen auf verwitterte Sitzbänke in der Nähe des Bauern nebst Baumschulen-Dynastien. Dort machte ich Fotos, zunächst mit der alten Rolleicord meines Vaters, später mit meiner Dacora und zuletzt mit meiner ersten eigenen Pentax.

 

Ich erinnere mich an keinen Weihnachtsmarkt-Boom. Nur an Bilder, an Details und recht wenig Holy Christmas Shit. Ich entsinne mich an Babys, welche durch die Hüte auf den Hutabladen der Automobile grinsten. Ich erinnre mich an sexy Menschen, die am Heiligabend vor dem einzigen Restaurant des Ortes tanzten, welches Rumpsteak auf der Karte hatte.

 

Es war alles vergleichsweise dezent. Keine Lautsprecher, die einen mit Glocken beschallten, keine in Leuchtketten eingewickelten Reihenhäuser. Keine Rentiere in den Vorgärten mit Kunstschnee, die Gedichte aufsagen mussten. Man debattierte über den krummen Rücken des armen Kohlenmannes, der mit dem Kadett immer aus den Vierlanden vorfuhr. Aber das war ja der Apfelmann!? Im Kartoffelkeller lagen vom Hund angekaute Zootiere aus Plastik.

 

Mutters Essen war aber nie eine Enttäuschung, sondern immer eine Vollerfüllung auf einem gediegenen roten Kacheltisch mit falsch eingeschraubten verzierten Holzbeinen. Der Vater ging Cognac schwenkend über den Perser und telefonierte mit seinen Cousins, dass FeTAp 611 Wählscheibentelefon auf dem Schoß, was alle üblicherweise „graue Maus“ nannten. Ein Cousin besaß einen Fernmeldeanschluss in der DDR. Was dieser zu berichten hatte, war immer die wichtigste Information zum Einläuten des Heiligen Abend.

 

24. Dezember 2022

Sonntag, 17. April 2022

Die Kunst Ostern zu sein

 

Ostern ist Kunst – also verstehen die Menschen Ostern nicht. Ostern will nicht verstanden werden. Ostern macht einen digitalen Malkurs über „Queens and Kings“. Es werden Eierakte gezeichnet. Gepellte und tätowierte Eier. Ostern lebt in Beverly Hills in einem unauffällig kleinen Haus mit Erdbeeren und blühenden Artischocken im süßen kleinen Garten. Es hört dort vor allem langbeinige Cellomusik, die genau genommen auch etwas langweilig ist. Aber Ostern hat Interesse an Bildung und Lebensstil. Manchmal geht es mit Kim Kardashian zu einer „Selbsthilfe- Theater-Gruppe“, welche von keinem geringeren als Gott geleitet wird. Dort spricht es über die Tragödien der früheren Familienmitglieder, zum Teil von Ludwig Hirsch vertont: „ Es kochen die Flüsse, es verdampfen die Meere,
Oben am Himmel der kleine Bär, schläft auch nicht mehr.
Ja, unsere Kleinen, unsere Kleinen haben uns den Krieg erklärt,
Haben Dir, Mutter, mir, Vater, den Krieg erklärt,
Weil im Raum Waldburg, an der Grenze,
Hat dieser gottverdammte Panzer
Diesen Osterhasen überrollt.“

 

Und Ostern weint, weil man ja dieser Tage dieses Wort Krieg nicht einfach so in den Mund nehmen darf, ohne nachzudenken.

 

Ostern will Kunst und bunte Farben. Eine Zeit der Hoffnung und lachende Kinderaugen.

 

Ostern wünscht frohe Ostern.

 

17. April 2022

Freitag, 1. April 2022

Q1

Q1

 

Mich begeistert der Blick durch angetrocknete Regentränen am Fensterglas, wenn der Nachbarin der Hut davonfliegt und sich von der Enge ihrer Gedankenfehler befreit. Das bunte Gewand bewegt sich im Wind und erfindet Farben echter Freiheit. Und ich denke bei einer Mischung aus Marzipankartoffeln und Tee, dass ich mich eigentlich nicht unfreier fühle, als zuvor.

 

Soweit irgendwas wie kühles Nass die Kehle herabrinnt, beginnt der Kopf wieder zu arbeiten, sich wohl zu fühlen in einem Bett aus Watte, Zucker und Salz. Das Leben ist kein Ponyferiencamp mit Golfanlage in der man unbekannte Medienbekannte sich ohrfeigen sieht.

 

Vielleicht sind aber Worte wie „Quarantäne“, „Isolation“ und „Freitesten“ zu sehr mit anderen Dingen verbunden. Gedanklich mit Pest, Cholera, Aussatz und Absatz. Aber vielleicht haben viele Menschen viel zu viele Begriffe zusammengeworfen, in einen Zementmixer getan und sich die perfideste Assoziation herausgesucht. Vorschrift und Regel z.B. ist nicht das gleiche. Wenn man aber verstanden hat, dass eine Vorschrift schon immer galt, dann war das eine Regel und so geregelt. Dumm ist halt, dass sehr einfach erklärbare Dinge sich hinter kompliziert und wenig sexy formulierten Paragraphen verstecken. 

 

Sehr wichtig auch nach wie vor: Gesetze sind dazu da um gebrochen zu werden. Wohl wahr! Deswegen verändern sich Gesetze ja auch immer wieder. Deswegen ist es ja sehr wichtig im Kopf frei zu sein und nicht zu beschließen, gegen alles zu sein, was viele Menschen schützen will und soll. Wenn mein innerer Schweinehund nur dazu da ist, dass Menschen neben mit immer Kränker werden, dann ist das schon sehr klug sich so zu verhalten, dass dies nicht geschieht.

 

Man sollte viel Wasser trinken, weil es dem Haushalt guttut. Und man darf auch gerne lesen, was kluge Leute vor schon sehr vergangener Zeit aufgeschrieben haben. Solltet ihr mal in diese sog, Quarantäne geraten, dann nutzt die Zeit und sagt nicht nach jedem Toilettengang: „Das ist ja Stuhl!“, denn der Gag ist totgeritten wie Serbisches Reisfleisch.

 

1. April 2022

 

Donnerstag, 24. Februar 2022

Grenzüberschreitung

Die Generationen vor mir sind alle nicht mehr da. Sie haben Kriege überlebt, was wohl mehr oder minder Zufall und Glück war. Die Wahrscheinlichkeit war nicht besonders groß. Sie hatten aber Zeit (Oma, Opa, Vater, Mutter) mir alles zu berichten und letztlich immer hoch zu halten, was sie beim alt werden erleben durften: Friedenszeiten. Bald werden alle Augenzeugen dieser Weltbrände nicht mehr da sein. Alles ist dann nur noch aus zweiter, dritter, vierter Hand und in ewig abgenudelten verschieden guten, verschieden Sensationen heischenden Dokus zu sehen.

 

Wer heute Parallelen sieht zu 1939 und auch die Herkunft, die emotionale Herkunft von dem anspricht, wird politisch für dumm erklärt. Wer sagt, dass der Unterschied zwischen mittelbarer und unmittelbarer Gefahr immer kleiner wird, der wird belächelt. Hingegen ist es üblich geworden schwarz auf weiß sich die Blöße zu geben und zu schreiben: Ich habe alles vorhergesehen! 

 

Keiner aber hat diese Menschen je sprechen gehört, höchstens im Volkstenor, dass dieser Putin verrückt sei. Ja natürlich, er ist verrückt. Er hat nicht verstanden, dass eine bestimmte Grenzüberschreitung und Wortwahl und Drohgebärde immer in der Geschichte in einer Katastrophe enden musste. Auch für den Kriegsverbrecher selbst, auch und grade für sein eigenes Volk. Die Vernünftigen und Besonnenen, wenn man sie am Leben lässt, haben immer die besseren Chancen nach einem Brand neues aus vollkommen überflüssig erzeugter Kriegsasche zu machen.

 

Es herrscht nichts anderes als Krieg und er betrifft uns alle und wird auf unser aller Leben Auswirkungen haben, wird sich massiv wegen Kapitalverbrechern, maßlosen Oligarchen und ihrem Staatslügner und Brecher von internationalen Vereinbarungen auf das auswirken, was wir Freiheit, Frieden und Demokratie nennen.

 

Es sterben heute, morgen, übermorgen Menschen in unserer unmittelbaren und nicht mittelbaren Nachbarschaft. Wir haben immer so gelebt, damit es nicht soweit kommt: Frieden und Freiheit und Gemeinschaft gefordert, naiv und wissend, akademisch und mütterlich.

 

Es lebe für immer und alle Zeiten der absolute Ruf nach Frieden und Freiheit, jetzt mehr denn je. Und dieser Wunsch beinhaltet nicht das Kleinkind-Gejaule von „Spaziergängern“ und anderen falsch abgebogenen. Er richtet sich gegen jede Art der stumpfen Keule und jedes Vergeltungs-Geschrei. 

 

Nur der absolute tief verwurzelte Wunsch nach Frieden und Freiheit und der Wille zur Gemeinschaft kann irgendwann einmal Frieden und Freiheit bringen. Man muss immer wieder neu damit anfangen. Anders erreicht man nie, dass irgendwann kein Mensch mehr auf die Putins dieser Welt hört.

 

24. Februar 2022

Samstag, 25. Dezember 2021

Kartoffelsalat aus dem Bauchnabel

 

Weihnachten ist das Fest der Hiebe. Für die regionale Rangliste, die Faust aufs Auge passend am bärtigen Nachbarn. Moralesken werden auch wieder gegenüber Zöglingen ausgepackt. Das ganze Jahr lässt man sie freigeistlich tun und lassen, wie ihr Geschick, nur einmal im Jahr müssen sie stillhalten. Sie müssen lieben, verbinden, abhängig und solidarisch sein und gesund aussehen, trotz dem kleinen o, dem Minuskel der Zeit.

 

Weihnachten ist das Fest, wo die nervigen Nadelbaumverkäufer wieder abziehen müssen mit ihren roten Kampfsport–Daunenjacken. Sie stehen nicht mehr im Weg rum und bedienen keine empörbaren KundInnen mehr in Kunstpelzen, welche man mit Fleiß anrempeln musste. Es war nie böse gemeint, sondern einfach nur ein Bodycheck der notwendig war. Die meisten Bodys haben den Check nicht bestanden.

 

Es gibt reichhaltiges Essen ohne wirkliche Tradition. Aber man spricht über etliche Familiengelage und kann sich dabei ganz genau schlecht erinnern. Weihnachten ist das Fest, an dem man nur sich selbst alles verzeiht. Die falsche Fonduekäsesorte ist da noch die geringste Verfehlung. Zum Jul tragen die seriösesten Menschen Mützen mit der Absicht so lächerlich zu wirken, wie die einstige Marketingidee. Cola-Blubber im Bauch, eine Flasche Rotwein drüber. Kartoffelsalat aus dem Bauchnabel schlürfen. Es ist Liebe.

 

Den Pflegekräften, Ärzten, arbeitenden Menschen dieser Tage dankt man noch einmal besonders, was eine gute egomanische Idee ist, damit man bei den nächsten Tarifverhandlungen daran erinnern kann, wenn man wieder einmal mit den Schultern zuckt. Scholz, Steinmeier, Schweizer Käse, alles dieser Tage in diesen Zeiten (wie man seit März 2020 so sagt) sehr präsent, wenn es um das Verteilen lustiger Botschaften geht.

 

Frohes Fest, alles Gute. Der weiche Keks im Heißgetränk beim Kaffeetrinken mit den Lieben und auch anderen sei mit euch. Man lernt zu gönnen.

 

25. Dezember 2021





Donnerstag, 2. Dezember 2021

Im Büro von Covid 19

Im Büro vor Covid 19

 

Man kann schon sagen, ich war ein recht unbedeutender Mitarbeiter mit recht viel Verantwortung und einem unanständigen Gehalt in einem Unzurechnungs-Unternehmen. Ich war z.B. für die regelmäßige Ölung und Wartung der Erdachse zuständig, was nie richtig funktionierte, aber auch in Wirklichkeit kaum einen interessierte, schon gar nicht meine Vorgesetzten. Ich war ein Einzelfall mit Zweifeln, der nie live mitbekam, was wirklich lief. Kaum war ich im Büro-Flur unterwegs, schlossen sich alle Türen und die Schilder „Bitte nicht zerstören“ wurden rausgehängt. Ich hatte den Eindruck gewissermaßen allenfalls eine Medium–Beliebtheit zu genießen. Warum wusste ich nicht, ich hatte Niemandem etwas getan – was aber auch schon ein guter Grund sein konnte, bei genauerer Reflexion von Firmensoziologien.

 

Lief einem eine äußerst angezogene Mitarbeiterin mit zerzausten Haaren und links verdrehter Bluse entgegen, bekam man einen bösen Blick in die Gesichtsmatratze gepfeffert. Ich sollte auf jeden Fall den Eindruck bekommen, dass sie sich extra so lebendig daheim gestylt hätte um ausgesprochen modern und fortschrittlich und dazu unkonventionell zu wirken. Die gleiche Person am nächsten Tag im Strickpulli? Logisch! 

 

Auch bildete ich mir sicher nur ein, dass Schaumgummilippen aufeinander schmatzten und durch die Türritzen Ausdünstungen von Menschen kamen, die nicht still am Schreibtisch saßen, um zu arbeiten. Ich war überzeugt davon, dass es besonders hinter meinem nicht gestärkten Rücken Frühstückspartys gab, bei denen alkoholfreier Sekt konsumiert wurde und sich Menschen und ProkuristInnen in Croissantkrümeln wälzten. Mal sah ich, wie hinter einer versehentlich offenen Tür Anzugjacken flugs über Fleisch-Blitzer geworfen wurden und irgendein riesiges sächliches Stück befreiter Körper vor mir floh und ein herausschießender Sektkorken mich knapp verfehlte, jedoch eine ebenso Orgien-Fremde Kollegin so traf, dass ihre Brille zerstört wurde. Sie und ich ignorierten den Vorfall aus irgendwelchen Gründen der Vernunft.

 

Dann kam Covid 19.

 

Nun ist das alles jetzt schon so lange her, dass meine Erinnerungen evtl. nicht die Präzisesten sind.

 

2. Dezember 2021

Mittwoch, 29. September 2021

Der Boss

Der Boss

 

Alle im Raum wünschen sich, dass er seinen Oberkörper frei macht und über alle herfällt. Einfühlsam, stark, herrisch, wirksam. Er ist der Einzige in diesem Zimmer, der sich nicht hinter Cocktailsaucen versteckt. Die Frauen wollen mit ihm tanzen. Die Männer wollen zu ihm aufschauen. Da es keine Lösungen gibt; jedenfalls sind keine bekannt, erwartet Jede und Jeder, dass er diese Erkenntnis in sich versteckt trägt. Tief im Kern. Nur er und kein anderer, keine andere. Man müsste ihn wie eine Nuss knacken. Aus seiner Schale würde man Möbel und Häuser bauen und seinen Kern würde man digitalisieren. Die Erkenntnis sollte alle glücklich machen. Die Folge: Reichtum für alle. Sonnige Urlaube, emissionsfreie Flugzeuge, Trinkhallen ohne BürgerInnen mit Schnellficker-Beinkleid. Baubiologisch korrekt ausgerichtete Vereinsheime. Bratwurst aus Duroc und vegane Wurst aus Knallerbsen. Sandstrände aus Pulverschnee. Sandsteingebirge süß wie Zückerhüte. Überall Menschen mit Auszeichnungen und Orden, die den 1,5 Grad Plan geschafft haben.

 

Deswegen geschieht dieses furchtbare Verbrechen. Nicht weil die Menschen schlecht sind, sondern einsam und verzweifelt und verwirrt. Es passiert in einem kleinen Nebenraum auf einer intimen Betriebsfeier eines mittelständischen Betriebes. Der Herrscher dieses Kleinods, der auf Grund seiner autoritären und absolutistischen Art so geliebt wird, zieht sein Hemd eben nicht aus zum Liebesgang mit seinen paar Nächsten in diesem Raum. Alle hier wissen, diese Menschheit ist am Ende. So kann es nicht weiter gehen. Irgendeiner nimmt das Tranchiermesser, welches neben dem Burgunderbraten liegt und jagt es dem Boss in den Hals. Eine druckvolle Blut-Fontaine beschmutzt die Kleider der Damen und die Brillen und Hemden der Herren. Verzweifelt suchen nun alle Anwesenden nach der entscheidenden Information und brechen den soeben Erledigten auf. Man findet aber nur das Übliche, was man so in einem toten Körper halt findet. Vielleicht etwas mehr Adrenalin und Testosteron, welches diesem Mann eigen war.

 

Dummer Weise haben die Menschen Liebe mit Hass verwechselt. Und die vorgeschriebenen Gs hat auch keiner eingehalten. Kein Mindestabstand, keine Masken, kein Respekt, keine Liebe. Nur der unbedingte Wille eines jeden dieser Menschen, sich selbst zu retten und dafür das Menschenopfer des Despoten in Kauf zu nehmen. Ich möchte an dieser Stelle nicht falsch verstanden werden. Die Idee jenen auszuschalten, der wohl am meisten Schuld von allen trägt, dass es soviel Leid gibt, ist im Prinzip nicht die Schlechteste. Die Geschichte ist voll von Beispielen. „Auch Du mein Sohn …“ doch im Anschluss kommt es immer wieder zu der Erkenntnis, dass die Hoffnung auf das Paradies nicht mit roher Gewalt zu erfüllen ist. Blinde werden nicht sehen können, wenn man den Boss tötet. Die früher als Lahme Bezeichneten werden nicht gehen können, wenn man sich am Blutrausch beteiligt und betrinkt.

 

In einem kleinen Raum geschieht das schreckliche Alltägliche in den Köpfen der Menschen und es ändert sich nicht viel. Letzteres kann man aus einer nachvollziehbaren Perspektive aber auch als tröstlich betrachten.

 

29. September 2021

Mittwoch, 12. Mai 2021

Die Bilder des Vaters

Mein Vater war zeitlebens Künstler: Maler, Zeichner, Grafiker, er war überzeugter Abbilder von Ästhetik – nein mehr, er war ein Erschaffer von Schönheit, aber auch ein Beobachter von Echtheit. Über sein Talent, seine Fertigkeitskompetenz, seine visuellen Fähigkeiten gab es nie Zweifel.

 

Auch als Fotograf hat er gut und solide, zuweilen sehr gekonnt gearbeitet. Er hat die Technik seiner Geräte verstanden und beherrscht. Ich habe das immer gewusst, allerdings als junger Mann musste ich für mich einen Weg für meine Emanzipation finden. Ich musste sehr andere Bilder machen, als er. Lyrisches Auge und available light und das sozusagen ungewollte Eggleston – artige erkunden der eigenen Lebensräume, lagen mir nahe, so wie das Erfinden von Geschichten. Da mein Vater Künstler war, gab es sozusagen existenzielle Streitpunkte der Kunst. Josef Beuys hat meinen Vater verärgert. Ich habe Beuys verehrt und am heutigen 100sten Geburtstag von Josef Beuys hätte mein Vater wohl zweifellos mit mir über ihn streiten wollen – vernichtende Aussagen von meinem Vater um Beuys als Künstler ad absurdum führen zu wollen.

 

Ich habe meinem Vater oft vorgeworfen, dass er über die Poesie hinaus nie gewachsen sei und sich in der Kunstszene einen Ruf als dekorativ arbeitender Zeichner und Grafiker gemacht hat. Das hat er bestätigt und mir mit dieser Bestätigung wiederum den Wind aus den Segeln genommen.

 

Nach dem nun seine zeichnende feine Hand für immer seine Tätigkeit eingestellt hat und mein Vater dazu auch nichts mehr sagen kann, bemerke ich immer mehr Ähnlichkeit beim Betrachten seiner Bilder und meiner Fotografie. Ebenen, Wege, grafische Verteilung der Elemente sind nicht selten verblüffend gleich. Striche und Flächen, Menschen und Landschaften sind ähnlich inszeniert. So ist das also mit der Emanzipation und mit der Absicht mit den eigenen Bildern aus dem Schatten des Vaters herauszutreten. Ich entdecke fast überall die Bildsprache des Lehrers. Selbst wenn es nur darum geht zwei Scheiben Katenschinken mit einem Kartoffel-Spargel Gericht zu fotografieren, oder in Blumen-Arrangements die Schönheit zu suchen und zu finden. Mein Vater war zwar nicht die Generation: „Offene Blende durchknüppeln bis der Arzt kommt!“, aber er hat mir Farbe und Formen vermittelt, die in meinen Auslösefinger geflossen sind – ob ich will oder nicht. Dies heute zu entdecken macht mich dankbar und froh, vor zwanzig oder dreißig Jahren hätte es mich wahnsinnig gemacht und ich hätte es zu ändern versucht.

 

Was also bleibt, sind die Bilder meines Vaters – so oder so!

 

12. Mai 2021




Sonntag, 28. März 2021

Wettervorhersage

Erst Gabi Kerner, dann Joachim Kati Witt. Die Ungeschlechtlichen, die ehemaligen Idolilien befreundeter Menschen zu Teenager-Zeiten. Die Braumeisterinnen der Diktaturvorhersage.

 

Sie haben Regen vorausgesagt für das gesamte Wochenende im kompletten Alstertal und darüber hinaus. Mein Handy, stets verbunden mit der Bundesregierung, hat es gesagt. 99 Regenprozent schon auf dem Weg am Horizont zu mir. Wenn ich aber mit Jogginganzug und Morgenmüll hinaustrete, nur ein Meer von Saharasand, staubtrocken wie der Barbarakuchen von Oma Martha. Die Kondensmilch im Schonkaffee war auch nicht grade flüssig. Ebenso nicht, wie der Sächsisch Anhaltinische Dialekt meiner Grundfamilie. Der wird einem im Westen schon reichlich ausgetrieben. Die Zeh und Aaah Plakate von Clemens und August, ein holländischer Baumwollvertrieb für Nietenhosen mit Schlagrahm, zeugten von Popkultur. In Wahrheit eine Erfindung von einem Straussenlevi’s aus dem oberfränkischen Landkreis Bamberg.

 

Sie sehnen sich alle danach einen Grund zu finden, dass sie sich von vorne bis hinten an die Kindertage ohne Rechte erinnern dürfen. Sie lieben es den Lockdown mit versagenden Wetter Apps zu vergleichen. Der Wunsch nach volldreisten Jugendlippen, an denen Regentropfen pornös in Gegenwart von rotem Heringssalat, die nie so gesehenen Körper herabrinnen. Diktatorisch gefesselt. Das Spiel mit der Märklin Eisenbahn ist nur bis zur Landesgrenze erlaubt. Märklin – der Name dürfte kein Zufall sein, klingt er doch verdächtig nach gedanklichen Sonderzügen der obersten Maskenverordnungsgremien. Die Herbergsmutter aus Berlin kommentiert: Hey hey - Tri-tra-trullala – Gehmutter ah! Ah! Oh oh jucheissassa.

 

Bleiben Sie gesund!

 

28. März 2021

Sonntag, 15. März 2020

Sich selbst helfen

Man hilft sich durch den Blick nach innen. Dort verändert sich die Welt nicht im Sekundentakt. Dort herrscht kein Ausnahmezustand. Dort ist eigentlich fast alles gut. Dort ist allerdings kein Platz mehr für den blödesten Carona-Witz, der nur fallen kann, weil man zu dumm ist, den Ernst in einer anonym scheinenden Nachricht zu erkennen. Dort ist aber auch kein Ort der Panik. Dort ist handelnde Entspannung. Kein Zahleneinordnungsprogramm, kein Grenzen schließen, kein Theaterabsagen, kein niedergelegter Kulturbetrieb. Es gibt genug Erinnerungen und Anregungen. Den Jubel im Stadion vergisst man nicht von dem einen auf den anderen Tag. Das Gefühl einen Musiker vor der Fotolinse zu haben und im richtigen Moment sich sein Bild von diesem Menschen zu machen, ist einem nicht zu nehmen und es ist auch nicht vergessen.

Es gibt Leute, die wissen nicht wie es ist zu laufen, oder zu sehen, oder ohne Schmerzen zu sein. Es gibt Menschen, die konnten bestimmte Dinge noch nie, die für uns selbstverständlich sind. Und auch diese Menschen leben mit einem, früher und künftig. Wir, die Erfahrungen mit sehen, gehen, hören und gewissen Hochgefühlen unserer Leidenschaft haben, verlernen nicht von einem Tag auf den anderen zu fühlen. Jeder Teil von einem hat die Vergangenheit gespeichert, um auch in Zukunft damit zu leben. Alles andere wäre Selbstaufgabe, bzw. die seltsame Idee die blanke Angst doch als guten Berater zu betrachten.

Angst ist ein Hilfsmittel, um nicht von der Klippe zu springen – letztlich ein dienendes Detail in einem, um Risiko und Gefahr einzuordnen. Das Risiko und die Gefahr, deren Zahlen man nicht einordnen und nicht vergleichen kann, verlangt nach Informationen. Informationen, die einem etwas sagen und die einen nicht rätseln lassen.

Dennoch scheint es eben immer sinnvoll, auf andere und sich selbst achtzugeben. Manchmal wird dies einem aber auf besonders anschauliche Weise bewusst gemacht.

Also, passt auf euch auf – zu jeder Zeit.

15. März 2020

Donnerstag, 5. März 2020

Forensperrung Update!


Meine dauerhafte Forensperrung schlägt die seltsamsten Blüten. Nachdem eine Petiton für ein paar User inklusive mir eröffnet wurde, wurden ein paar User wieder freigeschaltet. Da meine Sperrung dauerhaft sein sollte, wurde ich natürlich nicht freigeschaltet. Der Thread mit der Petition ist auf knapp 1000 Beiträge angewachsen. Dann wurde es dem Support zu bunt und er hat öffentlich Stellung genommen – auch zu meiner Person – jedoch in einem für mich nicht zugänglichen Bereich. Ihr versteht schon – wegen sog. dauerhafter Sperrung. Die Petition und ein weiterer Ordner zum Thema Sperrungen im Forum wurde ebenfalls abgesperrt

Nach wie vor wurde ich vom Support nicht unterrichtet, auch nicht von dieser Stellungnahme, aber man entschied sich öffentlich über meine Person zu schreiben – im gleichen Atemzug mir aber im Forum keine Stellungnahme zu ermöglichen. Ich war also wieder auf Dritte angewiesen, welche mich über diese Stellungnahme unterrichten. Ein Vertreter des Supports schrieb im eigenen geschlossen Thread „Forenleitfaden“ am heutigen 5. März 2020.

„… Wir haben gehofft, dass ihr in der Reflexion der Ereignisse selbst eine Lösung findet, damit Sperrungen zukünftig vermieden werden können. Leider scheint die Diskussionskultur im (…) wirklich am Boden und einzelne Beteiligte nicht in der Lage zu sein, ihr eigenes Handeln zu hinterfragen und daraus Konsequenzen abzuleiten.

Im Endeffekt geht es um ganz einfache Dinge, die JEDER verinnerlicht haben sollte:

Ich diskutiere immer mit anderen Menschen, also benehme ich mich entsprechend“ …

Dazu nehme ich hier Stellung: Um diskutieren zu können, bedarf es einer Begründung von Handlungen. Scheinbar geht es den Vertretern nicht um das Ermöglichen einer Diskussion, sondern lediglich um das Verhindern selbiger, in dem man meine dauerhafte Sperre noch immer nicht begründet hat und damit einen Ordner über dieses Thema erst begünstigt hat.

„ … Es ist eben NICHT egal, ob ich Menschen, die mit dem Handy fotografieren aus Spaß oder sarkastisch als „dumm“ bezeichne.
Es ist NICHT egal, ob ich mich wirklich oder nur spaßig freue, dass ggf. mit dem Corona-Virus AfD-Wähler oder Hundehalter eher sterben könnten. (ersetze "AfD-Wähler" mit „Juden", „Moslems" oder „Hundehalter" mit „Ausländer“ … und?)
Es ist auch NICHT legitim, das man - auch wenn man es gut meint - Dritte öffentlich beleidigt und als ekelhaft, assozial, dummdreist etc. bezeichnet. (Egal, was der Auslöser dafür ist.)
Es ist weiterhin NICHT ok, wenn während unserer Bemühungen, die Lage zu ordnen und einen Überblick zu bekommen, dutzende weitere Postings in anderen Threads und neue Threads eröffnet werden, und damit die Lage weiter angeheizt und verkompliziert wird. …“

Dies schreibt ein Support, der jahrelang jegliche Form von Rassismus, Homophobie und Sexismus geduldet hat und greift hier User an, die sich immer wieder dagegen gewehrt haben und nach dieser Logik nun, eben so wie ich eine Historie an Zeitsperren hinter sich haben. Und nein, es ist hoch unanständig, Juden, Moslems und Ausländer begrifflich für AFD-Wähler zu ersetzen. Es ist historisch eine Verniedlichung von Vorgängen gegen Minderheiten. Und Faschismus ist ekelhaft, wenigstens das …!

Hätte der Support die Dinge dahingehend geordnet und klargestellt, dann hätte er auch weniger Arbeit mit der freien Meinungsäußerung in Posts gehabt, die sich schweren Beleidigungen entgegenstellten, weil ohne diese Posts dieser Support diese Beleidigungen kaum wahrgenommen hätte.

„… Selbst eine gutgemeinte Petition für Matthias artet in Scharmützel, gegenseitige Anschuldigungen und Beleidigungen aus, das ist einfach unglaublich! (Btw.: Matthias wird dauerhaft gesperrt bleiben. Dies ist die Konsequenz aus einer langen Reihe von Ereignissen.) Es werden Moderatoren und Nutzer als Denunzianten beleidigt, deren einziges Ziel es ist, eine normale Diskussion ohne gegenseitiges „Anzicken" zu ermöglichen. …“

Ja, die Forenteilnehmer, in denen ich Freunde und weniger freundlich Gesinnte habe, wie das im Leben nun mal so ist, haben über Sinn und Zweck dieser Petition gestritten. Sie haben sich dagegen gewehrt, wenn unwahre Behauptungen aufgestellt wurden. Nach 1000 Beiträgen ohne Stellungnahme an mich und eben auch nicht an die Leute, die diese Sperrung nicht nachvollziehen konnten, ist das wohl aus dem Ruder geraten. Wie hat der Support oben geschrieben. „Ich diskutiere immer mit anderen Menschen, also benehme ich mich entsprechend“ – bis dahin Schweigen im Walde, bis es knallt. Fällt da keinem des Supports irgendwas auf?

Die Sperre öffentlich mit einer nicht näher erklärbaren (offensichtlich) Reihe an Ereignissen zu begründen und mir nicht einmal diesen Satz mitzuteilen und dann hier das Wort „Denunziant“ anzuprangern, dazu gehört schon einiges an Selbstwahrnehmung. Das ist unwürdig, selbst für diesen Support.

„ …Jeder von euch muss sich selbst an die eigene Nase fassen. Wenn die normalen Regeln des Anstandes und der Höflichkeit nicht mehr greifen, dann kann auch keine Moderation mehr helfen oder Punktesysteme oder oder… Dann ist die letzte Konsequenz eben härter durchzugreifen, User zu sanktionieren oder in letzter Konsequenz den (…) und fotofremde Themen zu verbannen …“

Selbstkritik und die Möglichkeit das eigene Handeln zu überdenken, scheint hier nicht vorhanden. Die zahlenden User sollen sich an die eigene Nase fassen und anständig sein, obwohl der Support nicht einmal die Grundregeln des Anstands einhält, von sich aus die Sprache zu suchen. 

Vielmehr ist hier doch klar, worum es geht. Dieses Forum ist den Betreibern ein Dorn im Auge. Da wird auch mal benannt, was als Erkenntnis weh tut. Und die Leute schaffen es untereinander ihre Stellungnahmen einzuordnen. Der Support sieht das aber nur noch als Schönheitsfehler der ansonsten so „schmucken Plattform“, die eigentlich nur dann interessant und spannend ist, wenn die User ihre Individualität einbringen. Letzteres wird aber auch hier wieder unterdrückt.

5. März 2020