Mittwoch, 29. September 2021

Der Boss

Der Boss

 

Alle im Raum wünschen sich, dass er seinen Oberkörper frei macht und über alle herfällt. Einfühlsam, stark, herrisch, wirksam. Er ist der Einzige in diesem Zimmer, der sich nicht hinter Cocktailsaucen versteckt. Die Frauen wollen mit ihm tanzen. Die Männer wollen zu ihm aufschauen. Da es keine Lösungen gibt; jedenfalls sind keine bekannt, erwartet Jede und Jeder, dass er diese Erkenntnis in sich versteckt trägt. Tief im Kern. Nur er und kein anderer, keine andere. Man müsste ihn wie eine Nuss knacken. Aus seiner Schale würde man Möbel und Häuser bauen und seinen Kern würde man digitalisieren. Die Erkenntnis sollte alle glücklich machen. Die Folge: Reichtum für alle. Sonnige Urlaube, emissionsfreie Flugzeuge, Trinkhallen ohne BürgerInnen mit Schnellficker-Beinkleid. Baubiologisch korrekt ausgerichtete Vereinsheime. Bratwurst aus Duroc und vegane Wurst aus Knallerbsen. Sandstrände aus Pulverschnee. Sandsteingebirge süß wie Zückerhüte. Überall Menschen mit Auszeichnungen und Orden, die den 1,5 Grad Plan geschafft haben.

 

Deswegen geschieht dieses furchtbare Verbrechen. Nicht weil die Menschen schlecht sind, sondern einsam und verzweifelt und verwirrt. Es passiert in einem kleinen Nebenraum auf einer intimen Betriebsfeier eines mittelständischen Betriebes. Der Herrscher dieses Kleinods, der auf Grund seiner autoritären und absolutistischen Art so geliebt wird, zieht sein Hemd eben nicht aus zum Liebesgang mit seinen paar Nächsten in diesem Raum. Alle hier wissen, diese Menschheit ist am Ende. So kann es nicht weiter gehen. Irgendeiner nimmt das Tranchiermesser, welches neben dem Burgunderbraten liegt und jagt es dem Boss in den Hals. Eine druckvolle Blut-Fontaine beschmutzt die Kleider der Damen und die Brillen und Hemden der Herren. Verzweifelt suchen nun alle Anwesenden nach der entscheidenden Information und brechen den soeben Erledigten auf. Man findet aber nur das Übliche, was man so in einem toten Körper halt findet. Vielleicht etwas mehr Adrenalin und Testosteron, welches diesem Mann eigen war.

 

Dummer Weise haben die Menschen Liebe mit Hass verwechselt. Und die vorgeschriebenen Gs hat auch keiner eingehalten. Kein Mindestabstand, keine Masken, kein Respekt, keine Liebe. Nur der unbedingte Wille eines jeden dieser Menschen, sich selbst zu retten und dafür das Menschenopfer des Despoten in Kauf zu nehmen. Ich möchte an dieser Stelle nicht falsch verstanden werden. Die Idee jenen auszuschalten, der wohl am meisten Schuld von allen trägt, dass es soviel Leid gibt, ist im Prinzip nicht die Schlechteste. Die Geschichte ist voll von Beispielen. „Auch Du mein Sohn …“ doch im Anschluss kommt es immer wieder zu der Erkenntnis, dass die Hoffnung auf das Paradies nicht mit roher Gewalt zu erfüllen ist. Blinde werden nicht sehen können, wenn man den Boss tötet. Die früher als Lahme Bezeichneten werden nicht gehen können, wenn man sich am Blutrausch beteiligt und betrinkt.

 

In einem kleinen Raum geschieht das schreckliche Alltägliche in den Köpfen der Menschen und es ändert sich nicht viel. Letzteres kann man aus einer nachvollziehbaren Perspektive aber auch als tröstlich betrachten.

 

29. September 2021

Mittwoch, 12. Mai 2021

Die Bilder des Vaters

Mein Vater war zeitlebens Künstler: Maler, Zeichner, Grafiker, er war überzeugter Abbilder von Ästhetik – nein mehr, er war ein Erschaffer von Schönheit, aber auch ein Beobachter von Echtheit. Über sein Talent, seine Fertigkeitskompetenz, seine visuellen Fähigkeiten gab es nie Zweifel.

 

Auch als Fotograf hat er gut und solide, zuweilen sehr gekonnt gearbeitet. Er hat die Technik seiner Geräte verstanden und beherrscht. Ich habe das immer gewusst, allerdings als junger Mann musste ich für mich einen Weg für meine Emanzipation finden. Ich musste sehr andere Bilder machen, als er. Lyrisches Auge und available light und das sozusagen ungewollte Eggleston – artige erkunden der eigenen Lebensräume, lagen mir nahe, so wie das Erfinden von Geschichten. Da mein Vater Künstler war, gab es sozusagen existenzielle Streitpunkte der Kunst. Josef Beuys hat meinen Vater verärgert. Ich habe Beuys verehrt und am heutigen 100sten Geburtstag von Josef Beuys hätte mein Vater wohl zweifellos mit mir über ihn streiten wollen – vernichtende Aussagen von meinem Vater um Beuys als Künstler ad absurdum führen zu wollen.

 

Ich habe meinem Vater oft vorgeworfen, dass er über die Poesie hinaus nie gewachsen sei und sich in der Kunstszene einen Ruf als dekorativ arbeitender Zeichner und Grafiker gemacht hat. Das hat er bestätigt und mir mit dieser Bestätigung wiederum den Wind aus den Segeln genommen.

 

Nach dem nun seine zeichnende feine Hand für immer seine Tätigkeit eingestellt hat und mein Vater dazu auch nichts mehr sagen kann, bemerke ich immer mehr Ähnlichkeit beim Betrachten seiner Bilder und meiner Fotografie. Ebenen, Wege, grafische Verteilung der Elemente sind nicht selten verblüffend gleich. Striche und Flächen, Menschen und Landschaften sind ähnlich inszeniert. So ist das also mit der Emanzipation und mit der Absicht mit den eigenen Bildern aus dem Schatten des Vaters herauszutreten. Ich entdecke fast überall die Bildsprache des Lehrers. Selbst wenn es nur darum geht zwei Scheiben Katenschinken mit einem Kartoffel-Spargel Gericht zu fotografieren, oder in Blumen-Arrangements die Schönheit zu suchen und zu finden. Mein Vater war zwar nicht die Generation: „Offene Blende durchknüppeln bis der Arzt kommt!“, aber er hat mir Farbe und Formen vermittelt, die in meinen Auslösefinger geflossen sind – ob ich will oder nicht. Dies heute zu entdecken macht mich dankbar und froh, vor zwanzig oder dreißig Jahren hätte es mich wahnsinnig gemacht und ich hätte es zu ändern versucht.

 

Was also bleibt, sind die Bilder meines Vaters – so oder so!

 

12. Mai 2021




Sonntag, 28. März 2021

Wettervorhersage

Erst Gabi Kerner, dann Joachim Kati Witt. Die Ungeschlechtlichen, die ehemaligen Idolilien befreundeter Menschen zu Teenager-Zeiten. Die Braumeisterinnen der Diktaturvorhersage.

 

Sie haben Regen vorausgesagt für das gesamte Wochenende im kompletten Alstertal und darüber hinaus. Mein Handy, stets verbunden mit der Bundesregierung, hat es gesagt. 99 Regenprozent schon auf dem Weg am Horizont zu mir. Wenn ich aber mit Jogginganzug und Morgenmüll hinaustrete, nur ein Meer von Saharasand, staubtrocken wie der Barbarakuchen von Oma Martha. Die Kondensmilch im Schonkaffee war auch nicht grade flüssig. Ebenso nicht, wie der Sächsisch Anhaltinische Dialekt meiner Grundfamilie. Der wird einem im Westen schon reichlich ausgetrieben. Die Zeh und Aaah Plakate von Clemens und August, ein holländischer Baumwollvertrieb für Nietenhosen mit Schlagrahm, zeugten von Popkultur. In Wahrheit eine Erfindung von einem Straussenlevi’s aus dem oberfränkischen Landkreis Bamberg.

 

Sie sehnen sich alle danach einen Grund zu finden, dass sie sich von vorne bis hinten an die Kindertage ohne Rechte erinnern dürfen. Sie lieben es den Lockdown mit versagenden Wetter Apps zu vergleichen. Der Wunsch nach volldreisten Jugendlippen, an denen Regentropfen pornös in Gegenwart von rotem Heringssalat, die nie so gesehenen Körper herabrinnen. Diktatorisch gefesselt. Das Spiel mit der Märklin Eisenbahn ist nur bis zur Landesgrenze erlaubt. Märklin – der Name dürfte kein Zufall sein, klingt er doch verdächtig nach gedanklichen Sonderzügen der obersten Maskenverordnungsgremien. Die Herbergsmutter aus Berlin kommentiert: Hey hey - Tri-tra-trullala – Gehmutter ah! Ah! Oh oh jucheissassa.

 

Bleiben Sie gesund!

 

28. März 2021

Sonntag, 15. März 2020

Sich selbst helfen

Man hilft sich durch den Blick nach innen. Dort verändert sich die Welt nicht im Sekundentakt. Dort herrscht kein Ausnahmezustand. Dort ist eigentlich fast alles gut. Dort ist allerdings kein Platz mehr für den blödesten Carona-Witz, der nur fallen kann, weil man zu dumm ist, den Ernst in einer anonym scheinenden Nachricht zu erkennen. Dort ist aber auch kein Ort der Panik. Dort ist handelnde Entspannung. Kein Zahleneinordnungsprogramm, kein Grenzen schließen, kein Theaterabsagen, kein niedergelegter Kulturbetrieb. Es gibt genug Erinnerungen und Anregungen. Den Jubel im Stadion vergisst man nicht von dem einen auf den anderen Tag. Das Gefühl einen Musiker vor der Fotolinse zu haben und im richtigen Moment sich sein Bild von diesem Menschen zu machen, ist einem nicht zu nehmen und es ist auch nicht vergessen.

Es gibt Leute, die wissen nicht wie es ist zu laufen, oder zu sehen, oder ohne Schmerzen zu sein. Es gibt Menschen, die konnten bestimmte Dinge noch nie, die für uns selbstverständlich sind. Und auch diese Menschen leben mit einem, früher und künftig. Wir, die Erfahrungen mit sehen, gehen, hören und gewissen Hochgefühlen unserer Leidenschaft haben, verlernen nicht von einem Tag auf den anderen zu fühlen. Jeder Teil von einem hat die Vergangenheit gespeichert, um auch in Zukunft damit zu leben. Alles andere wäre Selbstaufgabe, bzw. die seltsame Idee die blanke Angst doch als guten Berater zu betrachten.

Angst ist ein Hilfsmittel, um nicht von der Klippe zu springen – letztlich ein dienendes Detail in einem, um Risiko und Gefahr einzuordnen. Das Risiko und die Gefahr, deren Zahlen man nicht einordnen und nicht vergleichen kann, verlangt nach Informationen. Informationen, die einem etwas sagen und die einen nicht rätseln lassen.

Dennoch scheint es eben immer sinnvoll, auf andere und sich selbst achtzugeben. Manchmal wird dies einem aber auf besonders anschauliche Weise bewusst gemacht.

Also, passt auf euch auf – zu jeder Zeit.

15. März 2020

Donnerstag, 5. März 2020

Forensperrung Update!


Meine dauerhafte Forensperrung schlägt die seltsamsten Blüten. Nachdem eine Petiton für ein paar User inklusive mir eröffnet wurde, wurden ein paar User wieder freigeschaltet. Da meine Sperrung dauerhaft sein sollte, wurde ich natürlich nicht freigeschaltet. Der Thread mit der Petition ist auf knapp 1000 Beiträge angewachsen. Dann wurde es dem Support zu bunt und er hat öffentlich Stellung genommen – auch zu meiner Person – jedoch in einem für mich nicht zugänglichen Bereich. Ihr versteht schon – wegen sog. dauerhafter Sperrung. Die Petition und ein weiterer Ordner zum Thema Sperrungen im Forum wurde ebenfalls abgesperrt

Nach wie vor wurde ich vom Support nicht unterrichtet, auch nicht von dieser Stellungnahme, aber man entschied sich öffentlich über meine Person zu schreiben – im gleichen Atemzug mir aber im Forum keine Stellungnahme zu ermöglichen. Ich war also wieder auf Dritte angewiesen, welche mich über diese Stellungnahme unterrichten. Ein Vertreter des Supports schrieb im eigenen geschlossen Thread „Forenleitfaden“ am heutigen 5. März 2020.

„… Wir haben gehofft, dass ihr in der Reflexion der Ereignisse selbst eine Lösung findet, damit Sperrungen zukünftig vermieden werden können. Leider scheint die Diskussionskultur im (…) wirklich am Boden und einzelne Beteiligte nicht in der Lage zu sein, ihr eigenes Handeln zu hinterfragen und daraus Konsequenzen abzuleiten.

Im Endeffekt geht es um ganz einfache Dinge, die JEDER verinnerlicht haben sollte:

Ich diskutiere immer mit anderen Menschen, also benehme ich mich entsprechend“ …

Dazu nehme ich hier Stellung: Um diskutieren zu können, bedarf es einer Begründung von Handlungen. Scheinbar geht es den Vertretern nicht um das Ermöglichen einer Diskussion, sondern lediglich um das Verhindern selbiger, in dem man meine dauerhafte Sperre noch immer nicht begründet hat und damit einen Ordner über dieses Thema erst begünstigt hat.

„ … Es ist eben NICHT egal, ob ich Menschen, die mit dem Handy fotografieren aus Spaß oder sarkastisch als „dumm“ bezeichne.
Es ist NICHT egal, ob ich mich wirklich oder nur spaßig freue, dass ggf. mit dem Corona-Virus AfD-Wähler oder Hundehalter eher sterben könnten. (ersetze "AfD-Wähler" mit „Juden", „Moslems" oder „Hundehalter" mit „Ausländer“ … und?)
Es ist auch NICHT legitim, das man - auch wenn man es gut meint - Dritte öffentlich beleidigt und als ekelhaft, assozial, dummdreist etc. bezeichnet. (Egal, was der Auslöser dafür ist.)
Es ist weiterhin NICHT ok, wenn während unserer Bemühungen, die Lage zu ordnen und einen Überblick zu bekommen, dutzende weitere Postings in anderen Threads und neue Threads eröffnet werden, und damit die Lage weiter angeheizt und verkompliziert wird. …“

Dies schreibt ein Support, der jahrelang jegliche Form von Rassismus, Homophobie und Sexismus geduldet hat und greift hier User an, die sich immer wieder dagegen gewehrt haben und nach dieser Logik nun, eben so wie ich eine Historie an Zeitsperren hinter sich haben. Und nein, es ist hoch unanständig, Juden, Moslems und Ausländer begrifflich für AFD-Wähler zu ersetzen. Es ist historisch eine Verniedlichung von Vorgängen gegen Minderheiten. Und Faschismus ist ekelhaft, wenigstens das …!

Hätte der Support die Dinge dahingehend geordnet und klargestellt, dann hätte er auch weniger Arbeit mit der freien Meinungsäußerung in Posts gehabt, die sich schweren Beleidigungen entgegenstellten, weil ohne diese Posts dieser Support diese Beleidigungen kaum wahrgenommen hätte.

„… Selbst eine gutgemeinte Petition für Matthias artet in Scharmützel, gegenseitige Anschuldigungen und Beleidigungen aus, das ist einfach unglaublich! (Btw.: Matthias wird dauerhaft gesperrt bleiben. Dies ist die Konsequenz aus einer langen Reihe von Ereignissen.) Es werden Moderatoren und Nutzer als Denunzianten beleidigt, deren einziges Ziel es ist, eine normale Diskussion ohne gegenseitiges „Anzicken" zu ermöglichen. …“

Ja, die Forenteilnehmer, in denen ich Freunde und weniger freundlich Gesinnte habe, wie das im Leben nun mal so ist, haben über Sinn und Zweck dieser Petition gestritten. Sie haben sich dagegen gewehrt, wenn unwahre Behauptungen aufgestellt wurden. Nach 1000 Beiträgen ohne Stellungnahme an mich und eben auch nicht an die Leute, die diese Sperrung nicht nachvollziehen konnten, ist das wohl aus dem Ruder geraten. Wie hat der Support oben geschrieben. „Ich diskutiere immer mit anderen Menschen, also benehme ich mich entsprechend“ – bis dahin Schweigen im Walde, bis es knallt. Fällt da keinem des Supports irgendwas auf?

Die Sperre öffentlich mit einer nicht näher erklärbaren (offensichtlich) Reihe an Ereignissen zu begründen und mir nicht einmal diesen Satz mitzuteilen und dann hier das Wort „Denunziant“ anzuprangern, dazu gehört schon einiges an Selbstwahrnehmung. Das ist unwürdig, selbst für diesen Support.

„ …Jeder von euch muss sich selbst an die eigene Nase fassen. Wenn die normalen Regeln des Anstandes und der Höflichkeit nicht mehr greifen, dann kann auch keine Moderation mehr helfen oder Punktesysteme oder oder… Dann ist die letzte Konsequenz eben härter durchzugreifen, User zu sanktionieren oder in letzter Konsequenz den (…) und fotofremde Themen zu verbannen …“

Selbstkritik und die Möglichkeit das eigene Handeln zu überdenken, scheint hier nicht vorhanden. Die zahlenden User sollen sich an die eigene Nase fassen und anständig sein, obwohl der Support nicht einmal die Grundregeln des Anstands einhält, von sich aus die Sprache zu suchen. 

Vielmehr ist hier doch klar, worum es geht. Dieses Forum ist den Betreibern ein Dorn im Auge. Da wird auch mal benannt, was als Erkenntnis weh tut. Und die Leute schaffen es untereinander ihre Stellungnahmen einzuordnen. Der Support sieht das aber nur noch als Schönheitsfehler der ansonsten so „schmucken Plattform“, die eigentlich nur dann interessant und spannend ist, wenn die User ihre Individualität einbringen. Letzteres wird aber auch hier wieder unterdrückt.

5. März 2020

Donnerstag, 27. Februar 2020

Zur Sperrung in einem Forum!

Liebe Leute,

ich bin im Januar 2020 in einem euch bekannten Forum dauerhaft gesperrt worden. Dieser Sperrung ging eine Formalie einige Wochen zuvor vorweg. In einem sehr formellen Anschreiben durch den Support, vertreten von einem euch bekannten Mitarbeiter der FC, wurde mir diese Sperrung Wochen vorher angedroht. Der MA hatte grade einen Post von mir gelöscht, welcher a. keinen Verstoß gegen die AGBs beinhaltete und b. in einem Teil sogar eine Userin unterstützte, welche Formen von sexueller Belästigung angesprochen hatte. Rein rechtlich hat sich der MA damit eine Art Legitimation für eine spätere dauerhafte Sperrung verschafft. Zu diesem Zeitpunkt war mir klar, dass eine dauerhafte Sperrung erfolgen würde – da es von diesem und anderen MA´s einen Wunsch gab mich, zu sperren. Dies ist mir immer wieder durch ehemalige Support MA erklärt worden.

Ich habe es nicht glauben wollen – erst nach dieser Drohung war mir klar, dass beim nächsten Vorfall eine dauerhafte Sperrung gegen mich wirksam würde. Dies ist dann auch wenige Wochen danach geschehen, nachdem sich eine Userin und ich gegen eine schwere Beleidigung gegen eine dritte Userin stark gemacht haben. Da ich wiederum nicht gegen die AGBs verstieß, musste der MA sich eben etwas einfallen lassen, wie er die Sperrung begründbar machen könnte. Letztlich war der Grund nicht erklärlich, wurde mir auch nie mitgeteilt – ist aber formaljuristisch mit Hausrecht und meiner Historie von Zeitsperrungen in diesem Forum begründbar (sehr vereinfacht gesagt).

Alle diese Sperrungen (ich bin Mitglied in diesem Forum seit 2006) sind erfolgt, ohne dass ich je gegen die AGBs verstoßen hätte. Es gab dabei die eine oder andere, die ich aus Gründen der Konfliktlage im Forum aber nachvollziehen konnte. Andere wiederum erfolgten, weil sie durch eine ehemalige MA zu meinem Schutz vollzogen wurden. Diese MA ist letztes Jahr von der FC übrigens aus betrieblichen Gründen entlassen worden. Andere MA eben auch – man entschied sich für eine dünnere Personaldecke, bei der ein Support letztlich den Überblick verlieren muss. 

In diesem Forum wurden rassistische, homophobe, sexistische, islamophobe Posts dauerhaft geduldet, immer nur einzelne ehemalige MA’s sind dagegen eingeschritten, solche durften da aber letztlich nicht bleiben. Gegen diese Posts seine Stimme zu erheben, war stets gefährlich.

Ein User, der entgegen die AGBs ständig meinen Klarnamen verwendete, wurde trotz mehrfacher Aufforderung nie dafür sanktioniert. Im Übrigen ein User, der sich nicht scheute, im Forum immer wieder seine rechtspopulistische Gesinnung zu verbreiten.

Mir wurde nun ein langer aktueller Thread aus dem Forum zugespielt, der eine Petition enthält, welche u.a. meine Aufhebung der Forensperre fordert und die anderer gesperrter Personen, die jetzt wieder zum Glück im Forum schreiben dürfen. Dort verbreitet besagter User, der immer wieder gegen die AGBs verstieß, Fakenews über mich und freut sich ausdrücklich über meine Sperre. Eine andere Userin, die mich jahrelang und einen ehemaligen MA des Forums gestalkt hat, wurde ebenso wie dieser User nicht dafür sanktioniert.

Ich lese aber in diesem Thread auch sehr viel Zuspruch und vor allem den Ausdruck darüber, dass ich dem Forum fehlen würde. Dies freut mich sehr und ich bin vor allem dankbar, dass mir User, mit denen ich trefflich streiten durfte, mit denen ich in vielen Punkten nicht einer Meinung war, eine große menschliche Geste zeigen, auch wenn sog. „Zaungäste“ und ein offenbar „falscher Freund“ (von dem ich das nie angenommen hätte) diese dafür mit Hohn und Spott belegen. Mir ist immer das Gemeinschaftliche im Vordergrund gewesen – Menschen die für eine Sache miteinander einstehen. So sind es die Lisas, Romanas, Daniels, Georgs, Georgs, Gustis, Manfreds, Ulfs Ekkards, Werners, Alices, die dieses Gemeinschaftliche und das Gemeinsame im Herzen tragen. Sollte ich hier Namen vergessen haben, bitte ich um Nachsicht – Leute, die ich hier nicht in meinen Dank einschließe, wissen schon warum.

Die Forenbetreiber haben mit meiner Sperrung ganz offenbar eine Explosion an Empörung ausgelöst und das ist eine gute Nachricht – etwas Positives für die Gemeinschaft. Es gab in dem besagten Thread das Bedürfnis zu erfahren, wie ich wohl diesen Vorgang einschätze und wie es mir damit geht.

Ich bin davon überzeugt, dass die Forenbetreiber die Wirkung von Sprache aus ihrer Plattform verdrängen wollen. Ich glaube auch, dass sie dort gefälliges Bildmaterial ohne Tiefe für den unkritischen Hobbybetreiber bevorzugen, damit die Betreiberfirma ungestört Geld verdienen kann, und dem User dafür immer weniger bieten muss. So wurde z.B. ein Bilddiskussionsaccount komplett gesperrt, um Kontroversen zu verhindern. In solchen Forenbetrieben sind Leute des Wortes nicht mehr gefragt und stets gefährdet, Opfer von Machtbedürfnissen von MA’s oder deren Auftraggeber und Vorgesetzen zu werden. Kurze Entehrungen, schwere Beleidigungen, die von mir oben benannten Ismen werden weniger sanktioniert, als Sprache, die gewissermaßen Dinge beleuchten will, oder eben für Selbstverständliches einsteht, wie Zivilcourage und Menschlichkeit.

Ich werde, so lange man es mir erlaubt meinen Account mit vielen Fotos weiter behalten, auch wenn mir die Betreiber keinen Wink geben, dass ich besagte Foren irgendwann wieder nutzen kann. Dazu müssten sie verstehen, dass Sprache eine Bereicherung darstellt und dem Gemeinsamen dienlich ist und nicht der Ausgrenzung von Positionen.
Wobei für mich in diesem Zusammenhang gilt: Faschismus ist keine Meinung! Letzteres nur als Hinweis, weil ich mir schon berechtigte Gründe für dauerhaftes sperren von Usern vorstellen kann.

Ich behalte meinen Account, um darüber auch einen kurzen Weg zu Euch aufrecht zu erhalten und zur Verbreitung meiner Dokumentationen und Texte. Es geht mir gut mit dieser Entscheidung und auch damit, dass ich plane in näherer Zukunft ein Forum mit Euch zu eröffnen – wenn ihr denn wollt – wo dann eine ähnliche Userkonstellation den menschlichen Kontakt bei ernsten und weniger ernsten Themen mit mir wieder aufnehmen kann. Denn, wie ich hörte ist unser Ort, an dem ich nun nicht mehr schreiben darf, aus immer noch unerfindlichen Gründen, schwer gefährdet. Wohl, weil Unbeherrschtheit auf einen überforderten Support trifft.

Auf diesem Wege danke ich insbesondere Romana, die mit flammenden Reden ihre Position auch nach ihrer Sperre verdeutlichte, und damit zeigte, dass sie sich trotz Sperre von diesem Support nicht über den Mund fahren lässt. Ich danke insbesondere Daniel, für seinen Einsatz und der Suche nach persönlicher Aussprache. Ich danke Lisa für die frühe sehr zeitnahe Information über die Lage und allen, die versucht haben beim Support eine Rücknahme der Sperre zu bewirken. Ich danke auch speziell Werner und hoffe aber, dass er sich gegen die ständigen Provokationen gegen ihn nicht selbst ins Aus schießt. Otmar soll letztlich wissen, dass ich ihm nicht gram bin, auch wenn seine formulierte Position zum Thema nicht nachvollziehen kann und auch nicht will.

Und ich danke Henk Veerman und Matt Penney, dass sie letzten Samstag mit ihren beiden Toren meinen Verein im Feindesstadion zum Doppelderbysieger gemacht haben. Ich bin jetzt übrigens offizieller Berichterstatter der 1. Frauen FCSP für die Vereinshomepage und habe damit den Schritt gemacht zu einem namentlich erwähnten Verfechter für eine Sache – für den Frauenfußball – ebenso auch etwas mit Intensivität und Leidenschaft, was sich solche Leute, die dauerhafte Sperren ausführen ohne Gründe darzulegen, vermutlich gar nicht vorstellen können.

Bitte habt etwas Geduld – wir werden zusammen schon einen Ort finden - wo zumindest ein Kerntrüppchen von uns sich wieder zusammenfindet.

Matthias von Schramm 27. Februar 2020

Donnerstag, 19. Dezember 2019

Als plötzlich Weihnachten war

Vom Jahr in die Couch gedrückt, kommen mir Begriffe wie Schlupflider in den Sinn. Übers Jahr gesungen, über leicht angefeuchtete, schwach angespitzte Lippenzentren zum Ausdruck gebracht. 

Also die Lieder! Geschmettert auf der Straße, aus dem Gebälk des knarrenden Kopfes. Schlupf – Lieder! Lieder am Schlump an der U-Bahn Umsteige - Glasfront gesungen. Aus dem Fahrstuhl Wegeminuten in Form von Einkaufswagen und Sitzkissen gezogen. Immer wieder total busy an den Lichtern der Stadt vorbeigelaufen und ins Hafenbecken gefallen. Ständig diskutiert über das eine oder andere Vorgehen. Menschenmasken wie Schattenverläufe in Gesprächsrunden. 

„Mein Name ist anundfürsich Paul und ich bin eigentlich seit gestern im Team, habe aber noch nie gearbeitet.“

„Ich heiß Billy Beate – ich war bei den drei ??? dass nicht vorhandene Komma. Meine Mutter war Fischer – ein ausgestorbener Beruf – wie z.B. auch Aktivist oder Drucker. Wir haben in der Familie noch mit Druckerschwärze an den Händen geangelt. Das waren noch Zeiten!“

„Digga – Dein Ernst!? Du machst keine Privatchats mit Deinem Smartphone bei Dienstbesprechungen? Wie bist Du denn drauf!? Nicht teamfähig oder was!?“

Es gibt Leute, die hat man schon vergessen, bevor man sie kennengelernt hat, weil sie keinen Schatten werfen können. Es ist total respektlos den Leuten gegenüber, aber was will man machen!? Sie haben sich zum Geistsein entschieden um in z.B. meinem Leben vorzukommen. Ich kann da nichts dafür. Ich habe das nicht gewollt. Also ich bitte Sie/Dich/Euch/Es!!! 

Sie führen mit ihren Nächsten, die sie grad auf der Autobahn des Lebens kennengelernt haben, eine intensive Beziehung. 22 Stunden pro Tag Austausch bei Whatsapp und dann gemeinsam trinken gehen in ein Lokal, wo einem Fleisch im Tisch gegrillt wird. Die Angestellten werden exakt der Tischmode entsprechend diskriminierend und ohne Vertrag eingestellt. Man geht mit seinem Bekannten überall hin. Ins Kino, in die Kinowerbung, ja man macht sogar Urlaub zusammen. Die ganze Beziehung inklusiver sexueller Andeutung auf dafür erlaubten Zonen, dauert ca. sechs Wochen, wenn es hochkommt. Anschließend trennt man sich einvernehmlich ohne Grund und hört und sieht nie wieder was voneinander. Soll ein neuer Trend sein, habe ich gehört. Das ist so, wenn nur noch die Verwicklungen toter Verwandter Gesprächsthema sind, weil man ja über sich selbst nicht mehr spricht.

Inzwischen ist mir klar geworden, dass junge Leute in den Social Networks, in die ich mich mühsam hinein integriert habe, gar kein Interesse mehr haben. Die meisten dreiundzwanzig Jährigen mit abgeschlossener Ausbildung ziehen eine spartanisch eingerichtete Wohnung vor. Altbauküchen mit Holz und mit Emaille an der Wand, auf der eine rundliche Oma mit Kochlöffel einen flotten politisch nicht korrekten Spruch aus der Kaiserzeit von sich gibt als Lebensmotto, werden aber wiederkommen. Allerdings nicht für dreiundzwanzig Jährige, die sind dann schon zu alt und diesem Trend entwachsen.

Es gibt mittlerweile in Ausfluglokalen Essen, von dem man vor fünf Jahren noch nie etwas gehört hat.

Das Jahre immer schneller vergehen, ist eine recht simple Feststellung, die sich aber dermaßen unmittelbar bewahrheitet, dass man es bei heißer Wahrnehmung seines Leibes ständig spürt.

Zu Weihnachten kann ich nur sagen, dass ich so gar keine Zeit hatte, mich auch nur ansatzweise auf sein Kommen einzustellen und obwohl heute erst der 19.12. ist, ist es quasi schon so vorbei wie da. Irgendwie sitzt man in so einer Maschine aus Epochen, die in ein kleines Jahr gesteckt wurden. War gestern noch alles in Ordnung, so ist heute schon morgen und heute alles in Unordnung, und man sollte wissen, dass übermorgen schon wieder alles anders ist.

Dazu passt, dass ich mich Weihnachten diesmal für Fisch entschieden habe. Oder? Man kann das natürlich morgen auch alles ganz anders finden.

Unglaublich, danach beginnen die 20er Jahre. Also Charleston, Kleider wie Negligees und Filme mit W.C Fields. Wir werden in die End-Ära des Stummfilms eintauchen. Beim Fußball wird die Rückpassregel wieder abgeschafft werden, weil es so schön aussieht, wenn der Verteidiger noch während des Spiels seine Torwartfrau einschießt.
  
Als plötzlich Weihnachten war, begann die Zukunft der Vergangenheit.

19. Dezember 2019