Samstag, 16. März 2013

Der Winter ist zurück

Die Stadt hat mich eingeholt an ausgehöhlten Tagen. An Tagen, an denen man das Innere in die Stube steckt, unter einen selbst gestrickten Schal oder unter das alte Familienkopfkissen. Man geht langsam durch die Zerrbilder, die der Schnee produziert. Kinder bauen Ersatzpädagogen mit Pastinaken - Nasen. Kreideblumen auf dem Asphalt verschwinden. Es riecht nach Säure und Schlittenverwehungen im Park. Ich fahre durch die Stadt mit Nierenschützern im Kopf. Ich verharre augenblicklich vor den weißen Hügeln und es fällt mir zu schwer das Wild in Jeans zu erlegen. Coffee to Go – Tropfen an Pappbechern begleiten mein Zögern. Unter Kapuzen kräuseln sich Minilocken in allen Farben. In den Raucherzonen sammeln sich Anorakplastik und nachgemachte Studentenparker. Im Bahnhofsklo erklingt Marianne Rosenberg und neuerdings auch Amy Winehouse. „I love you much, it's not enough You love blow and I love puff And life is like a pipe And I'm a tiny penny rolling up the walls inside“ Die Nichtdamen ziehen ihre Pelzimitate über die Vorhäute der Nacht. Zwischen der Osterschokolade wächst wieder Glühwein. Die Stadt ist ein gläserner Eisraum, ein Treibhaus mit viel Beton in dem Eisblumen gezüchtet werden. Die Handys glühen und sagen: „Ich liebe dich. Bitte verlass mich nicht!“ Man sitzt so da und wartet auf Pointen. 16.3.2013

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