Sonntag, 9. März 2014

Samstagnachmittag in Lüneburg

Samstagnachmittag in Lüneburg


Am Zigarettenbahnsteig lehnen Motorräder. Mutter zieht an meinen Haaren durch die Samstagsonne. Bruder und Schwester lecken Kaffee-Eis und spucken Kreise und Spiralen in die Ilmenau. Dicht an dicht schlendern Einkaufswillige, um den Lokalen zu entgehen. Ein halber Hühnerhintern auf dem Teller oder irgend so ein Stück aus Fisch. Das Backsteinrot leuchtet. Vater will einen Lederball. Die Stimmen wirr, die Kinder stumm, die Rentner in Kinderwagenrallyes verliebt. Mittvierzigerinnen sammeln sich am Spielplatz und tauschen Kochrezepte aus.

Gebete in der Altstadt, Gesichtsfarben wie Karton. Der Markt schließt. Die alten Damen schrauben öffentliche Sitzbänke ab auf denen Herrenhemden saßen. Mutter kauft rote Rosen ganz für sich allein. Ein Bettler singt und verteilt sein Geld an arme Studenten. Und alle Welt wartet, bis endlich wieder der Zug nach Hamburg fährt. Vater ist verschütt gegangen. Man kann nur hoffen, dass er seinen Lederball errungen hat.



9. März 2014


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